Allgemeine Studentengeschichte

Seit langer Zeit ist das studentische Leben organisiert. Schon in der Frühzeit der akademischen Geschichte (1088 wurde in Bologna, Italien, die erste Universität begründet; die Stiftung der Universität Wien erfolgte am 12. März 1365 durch Rudolf IV, Erzherzog von Österreich) waren die Studenten in eine „Burse“ eingegliedert. Dies war eine Hausgemeinschaft, die mittels Beiträgen ihrer Mitglieder finanziert wurde (Bursa = lat. Beutel, Börse). Die Studenten lebten dort in klösterlicher Einfachheit zusammen und es bestand häufig in den Universitätsstädten sogar Bursenzwang. Außerdem wurden die Studenten zwecks Partizipation, vor allem bei der Wahl des Rektors der Universität, in sogenannte „nationes“ gegliedert. Diese entsprechen nur äußerst grob unserem heutigen Nationsverständnis, denn sie waren vielmehr auf europäische Großgebiete ausgerichtet (beispielsweise bestanden in Wien 4 nationes: die österreichische für die Studenten aus den Ländern der Habsburger und Italien; die ungarische Nation im Wesentlichen für die Ungarn Ost- und Südslawen; die rheinische für die Süddeutschen und Westromanen; schließlich die sächsische Nation für Norddeutsche, Skandinavier, Westslawen und Briten)

Im Mittelalter legten Studenten oft weite, wochen- und monatelange Wege zurück, um von einer Universitätsstadt in die nächste zu gelangen. Durch die allgemeinen Gefahren, denen man zu dieser Zeit auf den Straßen begegnen musste, ist auch das studentische Waffentragen bedingt. Aufgrund dieser Tatsache entwickelte sich im studentischen Milieu ein ausgeprägtes Duellwesen, und auf diesem aufbauend das Mensurwesen. Dieses wird von den national-freiheitlichen Verbindungen (vor allem den auch in Österreich vertretenen deutschen Burschenschaften) bis heute praktiziert. Als konfessionell-katholische Verbindung trat die KÖStV Kürnberg, so wie alle anderen Verbinbungen des Cartellverbands auch, von ihrer Gründung an gegen das Mensurwesen auf und lehnte es ab, dass sich ihre Mitglieder in übertriebenem Gehabe gegenseitig beträchtliche Verletzungen zufügten.

Die „Duellwut“ nahm vor allem bei den Landsmannschaften unerträgliche Ausmaße an. Dies war eine neue studentische Korporationsform, die sich ab dem 17. Jahrhundert bildete. (Das Wort Korporation bezeichnet in diesem Fall schlicht einen Zusammenschluss oder eine Organisation von Studenten. Es wird häufig als Synonym für das Wort „Verbindung“ gebraucht). Wenngleich es keinerlei personelle Kontinuität zwischen den Landsmannschaften der damaligen Zeit  und den Verbindungen des Cartellverbandes gibt, begründeten sie manche Erscheinungsformen des studentischen Korporationswesens, die auch in den konfessionellen Verbindungen zu finden sind: sie führten die Chargen (Amtsträger) und die Probezeit für Neumitglieder (Füchse) ein. Aus den Landsmannschaften heraus entstanden gegen Ende des 18. Jahrhunderts die sogenannten studentischen Orden, die das Prinzip der Lebensfreundschaft und die Ideale der französischen Revolution pflegten. Auch führten sie als erste den Zirkel  als Erkennungszeichen ihrer Korporationen.

Im Zuge der napoleonischen Kriege und dem Streben nach politischer Einigung der deutschen Staaten zu Beginn des 19. Jahrhunderts, trat eine neue Bewegung auf den Plan: die Urburschenschaft. Sie führte den Wahlspruch „Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland“. Sie war also durchaus auch religiös (evangelisch) ausgerichtet, und hat von daher nur wenig mit den heutigen Burschenschaften, die religiösen Überzeugungen ablehnend bis feindlich gegenüberstehen gemein. Die Urburschenschaft musste sich im Jahr 1819 infolge der Karlsbader Beschlüsse, die in Österreich die Zeit des Vormärz einleiteten, auflösen.

Die Burschenschaften im heutigen Sinn, die sich danach im geheimen bildeten, waren Träger der Revolution von 1848. Mit dieser Auseinandersetzung zwischen den Fürsten Europas und den aufstrebenden freiheitlichen Kräften begann die Zeit des Liberalismus. Der deutsche Liberalismus wurde in einem nationalen Sinn übersteigert und wandte sich gegen den habsburgischen Vielvölkerstaat, der einer gesamtdeutschen Einheit im Wege zu stehen schien, und gegen die katholische Kirche (die deutschnational-liberale Losung der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts lautete: „Los von Rom“). Der Liberalismus wurde zur alles bestimmenden Kraft auch auf den Hochschulen. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, traten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts katholisch gesinnte, kaisertreue Studenten auf den Plan und gründeten die ersten Verbindungen des Cartellverbands (dessen älteste Verbindung, die A.V. Austria Innsbruck, entstand 1864). Schnell wurden aus national-freiheitlichen und katholischen Studenten erbitterte Gegner.

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